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Puschkin im dialog

Ein Vortrag von Dr. Dieter Boden, Botschafter a. D., Vorsitzender der Deutschen Puschkin-Gesellschaft e.V. im Rahmen der dialog-Vortragsreihe „Gedanken über Russland

In Kooperation mit der Deutschen Puschkin-Gesellschaft e. V. fand am 24. September 2008 eine Veranstaltung zum Thema: Puschkin im dialog – Zur Aktualität des russischen Nationaldichters im heutigen Deutschland statt.

Die Veranstaltung wurde im Rahmen der Interkulturellen Wochen der Stadt Leipzig durchgeführt und stellte zugleich eine Premiere für die Leipziger Regionalgruppe des dialog e.V. dar, da es das erste Kooperationsprojekt mit einem anderen Verein war. Der Vortrag und die Diskussion fand auch dieses Mal in der, allen dialog e.V. Mitgliedern und Interessenten bereits bekannten und vertrauten Ratstonne der Moritzbastei Leipzig statt.

Dr. Boden während des Vortrags

Dr. Boden während des Vortrags

Der Referent zum Thema war Herr Dr. Boden, Botschafter a. D. und zuletzt Sondergesandter der Vereinten Nationen in Georgien. In seinem Ehrenamt ist Herr Dr. Boden Vorsitzender der Deutschen Puschkin-Gesellschaft e.V., die sich zum Ziel gesetzt hat, den Bekanntheitsgrad des Lebens, der Zeit und der Werke Puschkins im deutschsprachigen Raum zu fördern. Herr Dr. Boden beschäftigt sich bereits seit seinem Studium mit der russischen Sprache und im Einzelnen mit Puschkin sowie seinem Einfluss nicht nur auf die russische, sondern auch auf die gesamteuropäische Kultur und Geschichte.

Für Thomas Mann gehörte Puschkin zu „den dichterischen Genien meiner Liebe und Wahl“, war er „volksecht wie Goethe, wie Mozart.“ In der Tat: Europa wäre nicht vollständig ohne den kulturellen Beitrag Russlands, und Puschkin bildet einen Höhepunkt in dieser Traditionslinie. Vielleicht ist er auch deshalb in der Vergangenheit für manche politischen Ziele instrumentalisiert worden. Trotz der Tatsache, dass Puschkin Zeit seines Lebens niemals in Westeuropa gewesen ist, hat er sich dennoch viel und intensiv mit der westeuropäischen Kultur und Lebensweise auseinandergesetzt und viele der westeuropäischen Dichter und Schriftsteller gelesen und verehrt.

Bis zur politischen Wende in Europa Anfang der neunziger Jahre wurde in den beiden deutschen Staaten jeweils unterschiedlich mit Puschkin und seinen Werken umgegangen. Während in der DDR Puschkin ziemlich ausführlich behandelt und zum Teil für propagandistische Zwecke instrumentalisiert wurde, ist er in der BRD kaum beachtet worden. Heute ist das Interesse an Puschkin und generell an russischer Geschichte und Kultur, sowohl in West- als auch in Ostdeutschland, leider rückläufig und es ist nicht abzusehen, dass sich diese Entwicklung in naher Zukunft umkehrt.

Heute, im Zeichen eines andauernden Wandlungsprozesses in Mittel- und Osteuropa, plädierte Herr Dr. Boden für ein steigendes Bewusstseins der europäischen Verwurzelung Puschkins und seiner Werke, da diese Kenntnis für ein tieferes Verständnis unseres Nachbarn Russland unentbehrlich bleibt.

Materialien zum Download
Veranstaltungsbericht im Format PDF